Eine kleine Geschichte zu unserer Arbeit

Kurze Vorgeschichte:

Der Verfasser brauchte im September 2005 eine neue Grafikkarte, da die alte zu langsam geworden war. Also begab er sich in ein Fachgeschäft in Ulm, der Weltstadt mit Herz, um sich eine Platine zu kaufen, auf der in loser Reihenfolge Kondensatoren, Widerstände, Transistoren und weiteres Gedöns aufgebracht waren.

Da der Verfasser ein Vernunftsmensch ist, ließ er sich eine ATI 9600pro andrehen und verließ den Laden glücklich und um knapp 90 Teuro erleichtert.

Zu Hause angekommen und die Karte nebst Treibern ins Gehäuse gedübelt, stellte er nach kurzer Zeit fest, daß die Karte den Anforderungen zwar genügte, sich aber ständig durch ein häßliches Surren bemerkbar machte. Logo, so eine Investition muß ja zeigen, daß sie da ist...

"Was brummt denn da so laut in Deinem Rechner?" "Das ist doch meine tolle neue Graka, die ist sooo teuer, die darf auch laut sein!"

Nun ja, das Brummen wurde mit der Zeit natürlich lauter und lauter, vor allem beim Hochfahren der Höllenmaschine surrte es, als ob ein kleiner Fußballfan mit einer dieser nervtötenden Ratschen herumfuchtelte... So konnte das nicht weitergehen und der Verfasser beschloß nach ca 2 bebrummten Monaten , sich mit dem Händler auf einen Umtausch der Karte zu einigen.

E-Mail hin, Anruf her, der recht unfreundliche Mitarbeiter der bundesweit a-gier-enden Hardwareverdübelkette machte nachdrücklich klar, daß die Karte nur umgetauscht werden könne, wenn der Lüfter auch WIRKLICH kaputt sei. Nun liegt es natürlich im Ermessen jedes einzelnen, zu behaupten der Lüfter sei "zu" laut, daher beschloß der Verfasser, nennen wir ihn einmal "ich", dem dreisten Mini-Ventilator mit Absicht vollends den Garaus zu machen, damit die Karte auch sicher umgetauscht werden würde.

Flugs wurde ein den Regeln des IdE entsprechender Versuchsaufbau errichtet, bestehend aus der Grafikkarte, die zuvor natürlich ihrem kuschelig warmen Gehäuse entrissen wurde und einem kleinen aber feinen Netzteil, das bis zu 30V bei schätzungsweise 500mA liefern konnte.

Der Rest lief ungefähr wie in einem alten Adventure-Spiel...

  • Ziehe Lüfterkabel
  • Benutze Netzteil mit Kabel
  • Drehe Netzteil auf Vollgas
  • Benutze Finger mit Lüfter

Nach 5 Minuten stieg mit einem fast unhörbaren "Plopp" die kleine weiße Seele des Lüfters empor, das Werk war vollbracht. Nun mußte die Karte nur noch zum Ar... ääh, Händler gebracht werden, um dort umgetauscht zu werden.

Der nette Herr Spaßvogel hinter der Theke gab jedoch scherzend zu, keine dieser Ansammlungen von Elektroschrott auf Lager zu haben. Die Karte müsse eingeschickt werden und dies könne bis zu 2 (in Worten: ZAWEI!!!) Monate dauern. Solange könnte ich gern eine günstige (und damit natürlich viel schlechtere) Grafikkarte kaufen und sie dann irgendwie wieder zurückbringen, wenn die "alte" wieder da ist. Auf den Vorschlag des ichs, gegen ein wenig monetären Nachschub die nächstbessere Karte herauszugeben, reagierte der nette Herr Thekenclown mit dem freundlichen aber vielsagenden Satz "Nö, sorry!".

Lange Geschichte, kurzes Ende: Zwei der IdE-Mitglieder verließen den Ulmer Laden mit jeweils einem unterwassergeprüften, öl-keramikgelagerten, feuerwassergehärteten "Arctic Cooling Silencer", einer Art Turboturbine mit Gartenpumpe. Für nicht-FachmännInnerenen: Das ist ein sehr bekannter, superleiser Kühler, der leise ist, wenig Lärm macht und außerdem fast nicht zu hören ist.

Zu Hause angekommen versuchten nun die beiden neuen Besitzer, den neuen Kühler auf die Karte zu basteln. Beim ersten lief es ohne jedes Problem, den alten Heizkörper runter, neuen Kühlkörper drauf und fertig. Beim zweiten (dem wütend schnaubenden Verfasser) lief es nicht so gut, da der Hersteller seiner Karte die Kondensatoren so unheimlich blöde auf dem mit Plaste vergossenen Pappendeckel verteilt hatte, daß diese mit dem Kühler (der übrigens ca 12x4 Meter mißt, und das noch an der schmalsten Stelle) kollidierten.

Nun war guter Rat teuer... Doch halt! Des Verfassers kleiner Lötkolben (seit Jahren liebevoll "Lötraut" genannt) und der neu gekaufte billig-Minifräser leisteten auch 20 Minuten nach 10 ganze Arbeit, in kunstvoller Kleinarbeit wurde zuerst der größte Kondensator (liebevoll "verfluchtes Scheißding" genannt) auf die Oberseite der I/O-Sehhilfe verbannt, daraufhin wurde der nagelneue Kühler ein wenig in Form gefräst, bis alles paßte. Nun mußte nur noch der Aluminiumstaub beseitigt werden (Kommentar des zweiten IdE-Mitglieds: "Leitet Alustaub?").

Die Mühe hat sich gelohnt! Der Grafikkartenlüfter gibt so gut wie kein Geräusch mehr an seine Umwelt ab! Doch ob sich das ganze Unternehmen gelohnt hat, bleibt dem geschätzten Leser überlassen... Immerhin gibt's mal wieder etwas Lustiges zu erzählen!

Ach ja, es gibt auch eine Moral!

Wer heutzutage noch auf das sehr begrenzte Angebot eines "normalen" Fachhändlers zurückgreift, vor allem mit dem Argument, man könne bei Problemen einfach schnell vorbeischauen und es wird schnell geholfen, der ist echt selber schuld!

Mein Dank gebührt dem Arlt-Team aus Ulm (Ihr seid schon nett, Ihr könnt ja nichts dafür!), dem Dolph für den Solidarkauf und die Fahrgelegenheit, dem Hopse für die Mithilfe bei der "Lieferung" meiner alten Schreihalsturbine und last but not least meiner treuen Lötraut, ohne die ich das alles nicht geschafft hätte (q.e.d. :D)!

Außerdem fanden wir bei dieser Aktion heraus, daß ein Computer ohne Grafikkarte nicht "blind" genannt werden kann, da der Monitor ja nicht wie die Augen ein Eingang sondern eher ein Ausgang ist. Wir beschlossen also, einen Computer ohne diese wichtige Karte schlicht "unsichtbar" zu nennen.

Schreinergeselle Mathias B.